WRP - 11/23

„Wir sind der Lieferant für leichte Berufskleidung für den Textilservice“

WRP: Welche Trends gibt es bei der Berufskleidung im Horeca-, Healthcare- und Lebensmittelbereich?

Katja Schwerdtfeger: In den Bereichen Horeca und Retail beobachten wir relativ ähnliche Trends. Hier ist der Wunsch nach angepasster Bekleidung, die sich zum Beispiel an die Corporate Identity des Unternehmens orientiert, groß. Im Pflegesegment und genauso im HACCP-Bereich sehen wir eher weiter den Trend in Richtung Standardlösungen. Gleichzeitig werden in beiden Märkten nachhaltige Gewebe bzw. die nachhaltige Produktion der Bekleidung immer wichtiger.

Diese Entwicklung hin zu angepasster, individueller Berufskleidung passt natürlich nicht optimal in das Konzept der Textilserviceunternehmen. Diese sind eher bestrebt, ihre Sortimente zu straffen, statt weitere, sonderangefertigte Bekleidung ins Portfolio aufzunehmen. Denn das macht ihre Prozesse komplexer und die Anschaffung – so ihre Sicht – teurer. Wir können mit unseren Angeboten diesen Spagat leisten: Also sowohl die Wünsche der Träger als auch die Anforderungen des Textilservices erfüllen.

Christian Beirholm: Wenn wir über Trends sprechen, ist natürlich auch wichtig, dass die Nachfrage nach leichter und angenehm zu tragender Kleidung mit einer guten Bewegungsfreiheit immer größer wird. Das hat vor allem mit den steigenden Temperaturen in Europa zu tun. Das heißt, der Komfort der Bekleidung legt in der Bedeutung deutlich zu. Bis vor ein paar Jahren war die Nachfrage sehr modisch geprägt. Passform, Design und Funktion standen im Fokus.

WRP: Auf der einen Seite der Wunsch nach individueller, angepasster Berufskleidung, auf der anderen die Nachfrage nach Standardware „von der Stange“. Und es dürfen die Anforderungen des Textilservices nicht vergessen werden. Wie kann Kentaur das leisten?

Christian Beirholm: Wir haben einen sehr großen Baukasten, aus dem wir uns bedienen können - mit Modellen, Designs, Farben, Zutaten etc. Aus diesem Angebot können wir sehr individuelle sowie passgenaue Lösungen entwickeln und gleichzeitig die Nachfrage nach Standardware bedienen.

Unser Portfolio ist ganz auf unsere drei Zielgruppen Horeca & Retail, Healthcare und Food Industry / HACCP abgestimmt. Zwischen 80 bis 90 Prozent unserer Berufskleidung wird von Damen getragen – auch das ist natürlich in diesem Angebot entsprechend berücksichtigt. Die Teile sind für unsere Trägerinnen im Schnitt und beim Tragekomfort optimiert. Mit diesem Baukasten können wir heute auf viele Anforderungen schnell und passend reagieren. Und natürlich ist unsere Bekleidung schon immer auch auf die Wünsche des Textilservice entwickelt.

Wenn wir etwas Neues machen, dann passiert das immer gemeinsam mit Praktikern aus dem jeweiligen Markt. Ein Beispiel dafür ist eine aktuelle Kollektion, die aus der Zusammenarbeit mit einem Sterne-Koch entstand. Genauso ist unsere neue Kollektion für Kliniken und Krankenhäuser entwickelt worden. Auch hier waren wir im engen Austausch mit den Trägerinnen und Trägern haben ihnen genau zugehört, welche Wünsche sie aktuell haben. Das Resultat ist nicht nur eine leicht und angenehm zu tragenden Bekleidung. Zusätzlich ist diese neue Kollektion – auch das ist ein Ergebnis dieser Befragungen – ergonomisch optimiert. Sie ist so konstruiert, dass das Risiko der Trägerinnen und Träger durch bestimmte Tätigkeiten Rücken- und Nackenschmerzen zu riskieren, minimiert wird.

Katja Schwerdtfeger: Dieser stetige Austausch mit den Trägerinnen und Trägern ist einfach unerlässlich, wenn wir als Firma Kentaur funktionelle, bequeme und gut aussehende Berufskleidung anbieten wollen, die gerne getragen wird. Wir möchten eine Berufskleidung offerieren, die einen guten Arbeitstag möglich macht – im Horeca-, im Gesundheits- und im Lebensmittelbereich.

Ein Beispiel, um das zu illustrieren: Für die dänischen Kommunen haben wir Westen mit vielen Taschen entwickelt. Damit die Trägerin bzw. der Träger mehr in diesen Taschen unterbringen kann, ohne dass dieses Gewicht die Weste nach vorne zieht und so der Nackendruck verstärkt wird, wurde für diese Westen ein neues Nacken- und Rückenteil konstruiert. Und das reduziert das Ziehen der Weste nach vorne, wenn in den Taschen der Weste viel verstaut wird.

Wir versuchen unseren Märkten immer wieder neue Lösungen anzubieten. Noch ein sackförmiger Kasack mit einem Couver-Halsausschnitt – das ist nicht die Philosophie von Kentaur. Viel lieber fügen wir dem Artikel zum Wohle der Trägerinnen und Träger mehr Intelligenz hinzu. Das gilt genauso für den Textilservice. Wenn wir Neues machen, dann muss es auch für ihn einen Mehrwert bedeuten.

WRP: Welche Vertriebswege nutzt Kentaur für seine Kleidung?

Christian Beirholm: Unsere Lösungen für Healthcare, Lebensmittel und Catering werden fast zu 100 Prozent über den Textilservice angeboten. Rund 90 Prozent unseres Umsatzes generieren wir über diesen Kanal, er ist unser zentraler Vertriebsweg. Dazu kommen noch Hotel- und Restaurantkunden, die wir weltweit über unseren Webshop bedienen.

Der Textilserviceanteil an unseren Umsätzen ist durch Corona weiter gewachsen. In dieser Zeit haben wir gelernt und gesehen, wie wichtig dieser Kanal für uns ist. Das ist einfach unsere Stärke, wir sind der Zulieferer für den Textilservice.

Katja Schwerdtfeger: Der Textilservice ist unser primärer und wichtigster Vertriebsweg. Gleichzeitig möchten wir weiter forcieren, dass die Marke Kentaur bei unseren Endkunden – also die Kunden des Textilservices – noch bekannter und präsenter wird. Wir sind mit ihnen – das haben wir schon berichtet – schon im engen Austausch, aber noch nicht in der Tiefe und Breite wie wir es uns wünschen. Sie sollen eine starke Präferenz für unsere Marke entwickeln. So können wir einerseits sicherstellen, dass unsere Endkunden beim Textilservice die für sie optimalen Artikel nachfragen. Andererseits können wir so dem Textilservice gewährleisten, dass die Bekleidung, die sie in die Betriebe bekommen, hinsichtlich Waschbarkeit, Lebensdauer etc. auch optimal leasingtauglich ist. So erleichtern wir auch die Vertriebsarbeit der Textilserviceanbieter.

Christian Beirholm: Kentaur ist seit 1994 auf dem deutschen Markt aktiv. Hier arbeiten wir seit 30 Jahren mit dem Textilservice und seinen Netzwerken zusammen. Das wird weiterhin so bleiben.

WRP: Auch wenn sich die Branche aktuell mit vielen Aufgaben beschäftigen muss, ist das Thema Nachhaltigkeit weiterhin zentral. Welche Bedeutung hat Nachhaltigkeit für Kentaur? Und wie spiegelt sich das in im Sortiment?

Katja Schwerdtfeger: Nachhaltigkeit ist sozusagen in der Kentaur-Genetik verankert. Wir sind ein dänisches Unternehmen und bedienen auch den skandinavischen Markt. Deshalb hat das Thema Nachhaltigkeit eine lange Tradition im Unternehmen. So sind wir seit vielen Jahren gewohnt, dass in den kommunalen Ausschreibungen – der Pflegemarkt in Dänemark ist verstaatlicht – die Nachhaltigkeit ein großes Gewicht besitzt. Entsprechend hat Kentaur schon vor vielen Jahren angefangen, die Firmenstrategien darauf auszurichten und passende Produkte zu entwickeln und herzustellen.

Christian Beirholm: Auch wenn Nachhaltigkeit heute in der Branche als eines der zentralen Themen betont wird, sieht es in der Praxis leider manchmal anders aus. Gerade im deutschen Gesundheitswesen und auch im Einzelhandel gibt es leider oft die Situation, dass primär der Preis im Fokus steht, die Nachhaltigkeit eher eine nachgeordnete Rolle spielt. Aber immer nur den niedrigsten Preis im Blick zu haben, bedeutet in der Regel eben auch, eine schlechtere Qualität zu bekommen. Und Textilien mit einer geringen Qualität besitzen eine geringere Lebensdauer. Und dann muss regelmäßig ein neues Kleidungsstück her. Das ist bestimmt nicht im Sinn der Nachhaltigkeit. Denn dieses neue Teil muss man produzieren, es müssen dafür Energie, Rohstoffe und nicht-nachhaltige Zutaten eingesetzt werden und auch der Transport belastet zusätzlich die Umwelt.

Wir würden uns freuen, wenn die Endkunden mehr Wert legen auf die total cost of ownership. Also genau schauen, was sie ein Artikel über die Vertragsdauer inklusive aller Nebenkosten kostet. Dann wäre klar, dass Textilien mit einer mindestens ordentlichen Qualität eingekauft werden sollten. Für die Firma Kentaur ist eine lange Einsatzdauer des Textils der allerwichtigste Aspekt, wenn es um Nachhaltigkeit geht. Wenn Textilien dies leisten, können auch andere Parameter für Nachhaltigkeit erfüllt werden. Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir dem Textilservice aufgrund unsere jahrelangen Erfahrungen gute, langlebige, farbechte, formstabile Qualitäten liefern – und das zu einem bestmöglichen Preis.

Katja Schwerdtfeger: Im Laufe der Jahre ist ein wahrer Dschungel mit Zertifikaten entstanden, die Nachhaltigkeit unterstreichen sollen. Da blicken viele Textilservicekunden verständlicherweise nicht mehr durch. Gerne wollen wir mit ihnen unser Wissen und unser Know-how zu diesem Thema teilen. So das sie am Ende auch die für sie optimale Entscheidung treffen können, wenn es zum Beispiel um die Investition in eine neue Kollektion geht. Wir können unseren Kunden in verschiedenster Form helfen: Zum Beispiel gibt es die Möglichkeit, über unseren Life Cycle Assessment*- Berechner den CO2-Fußabdruck unserer Produkte zu berechnen. Wir können sogar „End of Life“ simulieren – also den CO2-Fußabdruck einschließlich der Einsatzdauer über die Wäscherei beim Endkunden.

WRP: Warum hat sich Kentaur der Recycling-Initiative Cibutex angeschlossen?

Christian Beirholm: Wir haben uns mit unserer Nachhaltigkeitsstrategie dazu entschieden, Verantwortung zu übernehmen und eine aktive Rolle in der Kreislaufwirtschaft auszufüllen. Das bedeutet zum Beispiel, dass wir langfristig unsere Stoffzuschnittreste aus der Produktion und genauso die ausgedienten Kleidungsstücke unserer Kunden im Textilservice in unserem Werk in Polen mit KI sortieren und dann recyceln werden. Wenn sich die Technologien weiterentwickeln, sollen diese Teile und Produktionsreste als Grundlage für die Herstellung neuer Textilfasern dienen, die wir wieder in unserer Produktion einsetzen können. So wird ein geschlossener Kreislauf möglich: aus ausgedienter Ware von Kentaur wird neue Berufskleidung mit unserem Label entstehen.

Das ist eine ziemlich komplexe Aufgabe. Wenn wir hier erfolgreich sein wollen, sind noch weitere Lösungen und Technologien notwendig. Dies können wir als Firma Kentaur nicht alleine lösen und leisten. Und eine der großen Herausforderungen dabei ist die Logistik. Deshalb sind wir Mitglied bei der Cibutex geworden. Cibutex ist für uns in dieser Phase und mit dem bereitgestellten Know-how ein sehr guter Partner.

WRP: In welcher Phase dieser Kreislaufwirtschaft befinden wir uns aktuell?

Katja Schwerdtfeger: Ich glaube, technisch ist beim Textilrecycling vieles zu lösen und bereits gelöst. Schon heute können Textilreste bzw. -abfälle up- oder downrecycelt werden, unter anderem zu Baustoffen und Isolierungen. Aber unser Ziel, unser Anspruch ist es, dass die Bekleidung wieder zu Bekleidung werden soll. So schließt sich der Kreis.

Auch heute gibt es schon Lösungen, die das Thema Nachhaltigkeit aufnehmen. Zum Beispiel haben wir für unseren neuen Katalog Artikel entwickelt, die zu 15 Prozent recycelte Fasern beinhalten.

Christian Beirholm: Kentaur ist die allererste Firma mit Kochjacken im Markt, die zum Teil aus Textilüberschüssen von Meterwaren stammen. Jetzt kommen Schürzen hinzu, die zu 15 Prozent aus Textilabfällen bestehen. Sie sehen, wir sind innovativ, sehr neugierig und schnell im Handeln.

WRP: Wann werden Textilien aus Textilabfällen zur Normalität werden?

Katja Schwerdtfeger: Ich denke, hier spielt der Gesetzgeber eine zentrale Rolle. Wenn er zum Beispiel vorgibt, dass Pflegeheime, Supermärkte etc. nur recycelte Textilien verwenden dürfen, dann wird daraus eine ganz neue Dynamik entstehen. Aber es muss auch noch bewiesen werden, dass sich der CO2-Abdruck von einem zirkulären Produkt im Vergleich zur Textillebensdauer die Waage halten.

Wir sind in guten und offenen Gesprächen mit unseren Textilservicekunden und genauso mit anderen Textilherstellern.

Christian Beirholm: Wenn es um das Thema Textilrecycling geht, müssen branchenweite und vielleicht branchenübergreifende Ansätze gefunden werden. Es macht keinen Sinn, wenn Hersteller einzelne Antworten entwickeln. Wir müssen eine gemeinsame Lösung finden für den Textilservice.

WRP: Nachhaltigkeit im Textilservice bedeutet auch, dass in seinen Prozessen mit möglichst wenig Energie- und Ressourceneinsatz gearbeitet werden kann. Welchen Beitrag kann Kentaur hier leisten?

Christian Beirholm: Wir setzen auf Fasern und Gewebe, die nicht nur eine lange Lebensdauer gewährleisten, sondern auch in den Bearbeitungsprozessen Vorteile besitzen. Nehmen wir als Beispiel Tencel. Die Faser wird nicht nur nach umweltfreundlichen Verfahren aus natürlichen Rohstoffen hergestellt und hat eine längere Lebensdauer. Berufskleidung aus Tencel kann zudem mit deutlich weniger Energieeinsatz getrocknet werden.

Und wenn wir auf unsere vielen Neuheiten schauen, die den Trend nach leichter Bekleidung bedienen, passen von diesen Textilien nicht nur deutlich mehr in die Maschinen des Textilservices, sondern sie trocknen auch schneller. Unsere neuen Hosen Active Line und Performance Line sind mittlerweile bekannt bei einigen unserer Kunden und sind echte Renner. Die 110- Gramm-Hosen lassen sich hängend in wenigen Stunden trocknen.

Katja Schwerdtfeger: Anfangs war es schwer, die Wäschereien von Tencel zu überzeugen. Weil die Faser kürzere Trockenzeiten hat, mussten sie die Prozesse entsprechend anpassen.
Mittlerweile werden auch die finanziellen Vorteilen gesehen. Das ist einer der Gründe, warum immer mehr Tencel in Umlauf ist und kommt.

WRP: Wenn der Textilservice weniger Energie und Ressourcen in seinen Prozessen einsetzen muss, kann ihm das im Wettbewerb helfen. Wie kann Kentaur den Textilservice weiter unterstützen, den Kostendruck zu minimieren?

Christian Beirholm: Wir können viele Dienste anbieten: Lagerhaltung, Mehr-Schrittlängen-Systeme, Chips einnähen und einlesen usw.. Kentaur kann Textilien direkt besticken und Transfers aufbringen. Wir übernehmen schon heute viele Aufgaben, die im Textilservice nach dem Wareneingang geleistet wurden und werden. In der Vergangenheit war das auch kein großes Problem in den Wäschereien. Heute fehlen ihnen Mitarbeiter.

Katja Schwerdtfeger: Wir werden in Zukunft auch Lösungen anbieten können, mit denen unsere Kunden die Möglichkeit haben, zu besseren Preisen höher zu disponieren. Wenn sie also für einen längeren Zeitraum ihre Textilien planen, gibt es bessere Preise über einen Rabatt.

WRP: Auch der Textilservice digitalisiert sich immer weiter. Wie nimmt Kentaur diese Entwicklung auf?

Katja Schwerdtfeger: Wir forcieren seit Jahren diese Digitalisierung in Richtung unserer internen Prozesse genauso wie in Richtung der Kundenservices. Zum Beispiel haben wir einen Auftragsroboter, der die Bestell-pdf‘s automatisiert einliest. Auf unserer Homepage ist eine Plattform, auf der man sich einloggen kann. Kunden können auf ‚My Kentaur‘ unter anderem für sie wichtige Informationen downloaden, mit Mix und Match Modelle mit eigenen Designvorstellungen zusammenstellen etc. Und über ein Power Business Intelligence Programm können Kunden sich über unsere Lieferperformance informieren, wie die Entwicklung verschiedener Artikel im Einkauf aussieht usw..

Christian Beirholm: Wenn ein Kunde bequem an seinem Arbeitsplatz und zu jeder Stunde seine Textilien selbst konfigurieren und Designlösungen erstellen kann, spart er damit Zeit und Kosten. Er ist zufrieden und genauso unser Vertrieb, ebenso der Einkauf und das Product Management. So können wir mir unserem Mix und Match auch eine Lösung gegen den Kostendruck offerieren. Und wir helfen genauso mit unseren digitalen Angeboten, dass unsere Kunden ihre Einkäufe genauer prognostizieren können. Damit ist auch ein besserer Einkauf für uns möglich – und das dient am Ende wieder der Nachhaltigkeit.

WRP: Wie blickt Kentaur heute auf den DACH-Markt?

Katja Schwerdtfeger: Aktuell ist der Blick auf diesen Markt unglaublich positiv. Wir haben in den letzten Wochen und Monaten so viele Projekte und so viele Anfragen für spannende, neue Aufträge bekommen. Vor einem halben Jahr war unser Blick diesbezüglich noch verhaltener. Aber wir registrieren auch, dass Projekte heute länger dauern. Entscheidungen werden nicht mehr schnell getroffen.

WRP: Ist diese Entwicklung noch den Folgen der Pandemie geschuldet? Gibt es noch einen Nachholbedarf bei ihren Kunden?

Katja Schwerdtfeger: Das kann sein. Allerdings haben wir auch in unseren neuen Segmenten viele Anfragen. Zum Beispiel für unsere neue Forward-Stretch-Hose. Jetzt sind erste Muster in den Wäschereien. Es öffnen sich im Moment ganz neue, spannende Türen für uns.

Christian Beirholm: Weil auch Hotels und Restaurants unter Arbeitskräftemangel leiden, wird hier nur vereinzelt gekauft. Die Einkleidung einzelner Restaurantbelegschaften verzögert sich, im Catering ist es fast dasselbe. Das läuft jetzt aber langsam wieder an. Der Bedarf ist da, hier finden die Unternehmen Mitarbeiter.

Im Gesundheitswesen ist seit Corona die Auftragslage gut. Aber das war eher ein Zukaufgeschäft. Mittlerweile sind hier viele Projekte offen, weil es auch keine Mitarbeiter gibt, die eine Anprobe machen können. Sie haben dafür einfach keine Zeit. Und dann müssen wir natürlich auch die ökonomische Situation für Healthcare auf dem deutschen Markt berücksichtigen. Entsprechend verschieben sich hier die Aufträge. Aber dieses Geschäft wird wieder anlaufen, weil schließlich irgendwann neue Bekleidung nötig ist. Insgesamt blicken wir sehr positiv auf den DACH-Markt und insbesondere auf Deutschland.

WRP: Welche Ziele verfolgt Kentaur auf dem deutschen oder dem DACH-Markt?

Christian Beirholm: Unsere Ziel ist Wachstum und unsere Marktanteile zu vergrößern. Und das nach wie vor über und mit dem Textilservice. Außerdem – das hatten wir schon erläutert – möchten wir unseren Bekanntheitsgrad im Pull-Segment steigern, Kentaur soll mehr in den Fokus auch der Endkunden rücken.

Wir wollen nicht die Geschichte unserer Firma neu erfinden. Es gibt uns zwar schon seit 30 Jahren, damit sind wir immer noch einer der jüngeren Anbieter auf dem Markt. Außerdem möchten wir natürlich unsere neuen Kollektionen auf dem Markt bekannt machen.

Bei all diesen Zielen werden wir als Unternehmen bei unserer Stärke bleiben: ein verlässlicher und innovativer Partner für den Textilservice zu sein. Deshalb wird für uns auch in Zukunft Berufskleidung mehr sein als ein weißer Kittel oder eine Hose. Es ist ein Produkt, das auf dem Wissen von Marktfaktoren, Design, Funktionalität und Waschbarkeit, wie auch CSR und Nachhaltigkeit, basiert. Unser Ziel ist es weiterhin, die Arbeitsbekleidung von morgen zu entwerfen, die funktionell und ergonomisch ist und dazu beiträgt, dass die Trägerin oder der Träger die Arbeit besser leisten können.

* Life Cycle Assessment = Lebenszyklusanalyse; die Red.




Kentaur A/S
Kentaur wurde 1990 von Bernt Dahl gegründet. Die Wurzeln der Firma reichen aber bis in das Jahr 1927 zurück. Im Jahr 1989 kaufte Bernt Dahl die Rechte an dem Namen Kentaur um mit den leichten Teil der Arbeitskleidung fort zu setzen.

Im Jahr 1994 kam Christian Beirholm ins Unternehmen. Der Diplom-Kaufmann startete eine Studie mit Orientierung auf die Exportmärkte. Heute gehört Kentaur Bernt Dahl (Majorität) und Christian Beirholm.

Rund 80 Prozent des Umsatzes werden im Export erzielt – ein Großteil davon in den DACH-Ländern – und 90 Prozent über den Textilservice. „Value für Textilservice“ ist ein Grundstein bei Kentaur.

Im Jahr 2019 baute Kentaur ein neues europäisches Logistikzentrum in Polen auf und gründete Produktionsfirmen in Polen und Serbien. So besteht die Gruppe heute aus einer Reihe von Vertriebsgesellschaften und Produktionsstätten in Nord- und Osteuropa sowie in Asien.

Die Hauptniederlassung von Kentaur befindet sich in Fredericia, hier sind rund 60 Mitarbeiter tätig. Weiter werden zwischen 300 bis 350 Mitarbeiter in Tochterunternehmen in Norwegen, Polen und Serbien beschäftigt, weitere rund 400 Mitarbeiter mit einem festen Partner in Vietnam.

Kentaur A/S
Blytaekkervej 20
7000 Fredericia
Dänemark

www.kentaur.com
„Wir sind der Lieferant für leichte Berufskleidung für den Textilservice“
Foto/Grafik: Kentaur
Christian Beirholm – Zur Person Christian Beirholm ist seit 1994 bei Kentaur. Der Diplom-Kaufmann kam nach dem Studium ins Unternehmen, um eine Studie anzufertigen über die Möglichkeiten von Kentaur auf den Exportmärkten. Heute ist Christian Beirholm Gesellschafter und Partner bei Kentaur und als Chief Commercial Officer (CCO) verantwortlich.
„Wir sind der Lieferant für leichte Berufskleidung für den Textilservice“
Foto/Grafik: Kentaur
Katja Schwerdtfeger – Zur Person Katja Schwerdtfeger ist seit 1998 im Unternehmen Kentaur beschäftigt. Sie studierte an der Wirtschaftshochschule in Haderslev in Dänemark und ist bei Kentaur heute als Market Director South & Head of Marketing angestellt.
„Wir sind der Lieferant für leichte Berufskleidung für den Textilservice“
Foto/Grafik: Kentaur
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Foto/Grafik: Kentaur
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Kasack-Linie Comfy Fit: Die Konstruktion mit der so genannten Ergonomic Neckline entlastet den Halswirbel C7 von Belastungen und soll so Nackenschmerzen vorbeugen.
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Foto/Grafik: Kentaur
Katja Schwerdtfeger und Christian Beirholm
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