28.03.2024

Sensene: Veränderter Flammpunkt beim Lösemittel

Anfang März empfahlen Böwe Textile Cleaning und Multimatic, das Lösemittel Sensene von Safechem nicht mehr in ihren Maschinen einzusetzen. Jetzt wurde der Flammpunkt des Produktes auf 58 °C geändert. Bisher lag dieser bei 65 °C.

Grund dafür waren Flammpunktmessen bei Frischware und bestehenden Textilreinigungsmaschinen. Diese zeigten bei verschiedenen Kunden im Markt eine „sicherheitsrelevante Abweichung“ des tatsächlich Flammpunktes gegenüber dem offiziellen Wert von Sensene. Letzterer ist auf dem Sicherheitsdatenblatt des Produktes vermerkt, weil er - zusammen mit der Explosionsgrenze (UEG) - für den sicheren Betrieb einer Textilreinigungsmaschine wichtig ist. Böwe und Multimatic stellten auch Flammpunkte unter 60 °C fest.

Flammpunktproben wurden empfohlen

Sowohl Böwe als auch Multimatic empfahlen jenen ihrer Kunden, die Sensene nutzen, Flammpunkt-Proben aus einem Tank ihrer Maschine zu entnehmen und ihren jeweiligen Sensene-Lieferanten und einem externen Labor zum Soforttest zuzusenden. Multimatik und iTech schickten Europaweit vier Teams aus, um selbst bei ihren Kunden UEG-Messungen durchzuführen. Auch die europäischen Branchenverbände DTV und EFIT gaben Handlungsempfehlungen heraus.

Daraufhin veröffentlichte Safechem eine Produktwarnung für Sensene. Im neuen Sicherheitsdatenblatt wurde das Mittel als brennbar eingestuft. Ein Flammpunkt von über 60 °C lasse sich mit dieser Formulierung nicht mehr sicher garantieren, erklärte der Anbieter auf WRP-Nachfrage.

Safechem: Veränderte Komponente beeinträchtigt Flammpunkt

Laut Safechem liegt die Ursache für den veränderten Flammpunkt bei der Veränderung einer Komponente von Sensene. Deren Produzent habe diese Änderung nicht mitgeteilt. Und weiter: „Die Formulierung von Sensene hat sich seit Markteinführung nicht geändert. Es ist auch wichtig zu betonen, dass nicht jede Charge einen Flammpunkt von <60°C aufweist.“

Zusammen mit Maschinenherstellern arbeitete Safechem an einer Lösung. „Erfreulicherweise sind ein Großteil der Anlagenmodelle auf dem deutschen Markt mittlerweile für Sensene mit einem Flammpunkt von ≥58 °C freigegeben, sodass Kunden das Produkt weiterhin sicher und problemlos verwenden können.“

Für noch nicht freigegebene Anlagen sollten Kunden zuerst den Flammpunkt überprüfen. Viele der geprüften Produkte würden tatsächlich einen Flammpunkt von >60°C aufweisen, so Safechem. In diesen Fällen könne die Anlage ohne Änderungen weiter betrieben werden, ergänzt das Unternehmen.

Aktueller Stand bei Böwe

Frank Ziermann, Geschäftsführer von Böwe: „Wir werden jetzt mit dem neuen Sicherheitsdatenblatt und dem neuen Stoffmuster einen Messcomputer neu kalibrieren und entsprechende Tests durchführen wie bei der Markteinführung von Sensene vor 8 Jahren. Danach werden wir die Ergebnisse präsentieren.“

Aktueller Stand bei Multimatic

Am 21. März meldete Multimatic, dass die Nutzung von Sensene auf den Plattformen Piuma und Ipura sicher sei. Sven Bressert, Technischer Leiter des Unternehmens und Mitinhaber des Maschinenherstellers iTECH Solutions: „Unsere Textilreinigungsmaschinen für das Lösemittel Sensene sind jetzt mit einem Flammpunkt von über 56°C zugelassen. Safechem warnte vor einem potenziell niedrigeren Flammpunkt und gemeinsam haben wir entsprechend reagiert.“

Bressert ergänzt: „Die Sicherheitsdatenblätter wurden angepasst, alle Maschinenplattformen wurden mit dem neuen Stoffmuster live im Markt getestet, um maximale Sicherheit zu gewährleisten. In Zusammenarbeit mit Safechem, Multimatic & iTECH Solutions bieten wir nun eine sichere Lösung an.“

Laut Bressert können folgende Maschinenplattformen mit der bekannten C2-Sicherheitstechnik ohne technische Änderungen sicher und vorschriftsmäßig mit Sensene und einem Flammpunkt >56°C betrieben werden: Piuma, Ipura, Topline, Germanline, Multiflex und Senza.

Alle Kunden erhalten laut seiner Auskunft bis Anfang Mai ein aktualisiertes Typenschild sowie ein entsprechendes Anschreiben. Ihnen empfiehlt Bressert dennoch, regelmäßig jährliche Flammpunktmessungen bei allen bekannten Lösemitteln durchzuführen, die unter die 31. BImSchV fallen.

Safechem arbeitet an neuer Formulierung

Safechem arbeitet aktuell laut eigener Aussage „mit Hochdruck und guten Fortschritten“ im Entwicklungslabor sowie in Abstimmung mit Rohmateriallieferanten und Anlagenherstellern an einer neuen Formulierung für Sensene. Diese soll zeitnah verfügbar sein und dann wieder als nicht brennbar klassifiziert werden können.

Alle Angaben gelten mit Stand vom 26. März 2024.

Definitionen

Die Berufsgenossenschaft Bau (BG Bau) definiert den Flammpunkt eines Stoffes nach DIN V 14011 als die niedrigste Temperatur, bei der sich über einem Stoff ein zündfähiges Dampf-Luft-Gemisch bilden kann. Der Brennpunkt liegt oberhalb des Flammpunktes. Je höher der Siedepunkt der Flüssigkeit ist, desto größer ist der Temperaturunterschied zwischen dem Brennpunkt und dem Flammpunkt.

Die untere Explosionsgrenze ist die niedrigste Konzentration, bei der eine Entzündung und eine selbstständige Flammenausbreitung beobachtet wird.
Sensene: Veränderter Flammpunkt beim Lösemittel
Foto/Grafik: Multimatic
Sven Bressert (Technischer Leiter bei Multimatic) reiste mit Mess-Equiment nach Italien, um bei iTECH Solutions – hier wird die Reinigungstechnik entwickelt und produziert, die Multimatic vertreibt – mit dem Stoffmuster zu testen.
Sensene: Veränderter Flammpunkt beim Lösemittel
Foto/Grafik: Multimatic
Die Messungen wurden direkt bei den Kunden vor Ort ausgewertet, um die über 20 Maschinenplattformen schneller freizugeben.
Sensene: Veränderter Flammpunkt beim Lösemittel
Foto/Grafik: Multimatic
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