16.01.2026
Textilpflege: So steht es um die Ausbildung
Textilreiniger mit abgeschlossener Ausbildung werden von vielen Betrieben gesucht. Trotzdem gibt es pro Jahr nur noch wenige Lehrlinge. Für 2024 weist der DTV lediglich 120 aus - im ganzen Bundesgebiet und über alle 3 Ausbildungsjahre. Wir haben bei den Berufsschulen und Verbänden nachgefragt, wie die Tendenz im aktuellen Ausbildungsjahr ausfällt.
Zu den Fachleuten, die sich für einen Fortbestand der Ausbildung einsetzen, gehört Ursula Dreyer. Sie leitet an der Anna-Siemsen-Schule in Hannover den Bereich Textiltechnik und Bekleidung. Dabei verantwortet sie auch die Ausbildung angehender Textilreiniger. „Bei den Textilreiniger/innen haben wir 11 neue Auszubildende und 9 Auszubildende im 2. und 3. Ausbildungsjahr, insgesamt somit 20. Das ist eine sehr hervorragende Entwicklung“, freut sich die Lehrkraft. Im Mai, vor der Gesellenprüfung der ältesten Lehrlinge, waren es 17.
„Wir haben wieder neue Ausbildungsbetriebe dazu bekommen. Ich denke, wenn jeder Betrieb mal ausbilden kann, dann sollten wir den Berufsschulstandort in Hannover halten können.“ Mindestens sieben Schüler setzt die Landesregierung in Hannover voraus, um die Ausbildung an der Schule fortzuführen. Dafür spricht sie mit Betrieben, bietet Ausbildersprechtage und Infos auf Berufsmessen an.
Mehr Lehrlinge in Neumünster
Auch die Theodor-Litt-Schule in Neumünster bietet den schulischen Ausbildungsteil an. Dort sind aktuell zwölf angehende Textilreiniger im 1. und 2. Lehrjahr zugegen. „Das sind mehr als in den Jahren zuvor“, freut sich Ellen Kemper, die zuständige Lehrkraft.
Auf die Frage, ob die Bereitschaft zur Ausbildung bei Betrieben gestiegen ist, antwortet sie: „Das kann ich nicht so genau sagen. Aber ich höre immer wieder, dass Betriebe ausbildungswillig sind, aber keine Auszubildenden finden.“ Immerhin sei das Interesse potenzieller, neuer Lehrlinge gestiegen.
Ein alternatives Angebot, bei dem potenzielle Lehrlinge ein Jahr lang einen Grundstock an Wissen als eine Art Vor-Ausbildung erhalten, läuft bisher nicht wie gehofft. „Das hat leider nicht so funktioniert. Es werden darüber keine neuen Azubis gewonnen“, so Kemper.
Erfurt bleibt ohne Ausbildung
Zu den Berufsschulen, an denen früher Fachkräfte in der Textilpflege ausgebildet wurden (bis 2014), gehört die Andreas-Gordon-Schule in Erfurt. Dort gab es in den letzten Jahren mehrfach Versuche, das Angebot wieder aufzunehmen. Aufgrund zu weniger Bewerber scheiterte das Vorhaben bisher. Die Landesregierung von Thüringen wollte mindestens 15 Lehrlinge, was die Initiativen knapp verpassten.
Viele Betriebe wollen ausbilden
Betriebe zeigen sich grundsätzlich interessiert an der Ausbildung. Laut einer DTV-Umfrage gab etwa ein Drittel (36 Prozent) an, selbst die Lehre anzubieten. Ein wenig mehr (40 Prozent) würden sie gern anbieten, während 24 Prozent daran kein Interesse haben. Zugleich gaben 60 Prozent der Umfrageteilnehmer an, Mühe bei der Besetzung freier Stellen zu haben.
Interesse an ausländischen Lehrlingen
Der DTV freut sich, dass einige Betriebe am Jordanien-Projekt teilnehmen. Dabei werden junge Menschen aus diesem Land als Lehrlinge nach Deutschland geholt. „Bereits in diesem Jahr konnten wir kurzfristig sieben Auszubildende vermitteln, und es liegen uns weitere Anfragen sowie eine Zahl interessierter Betriebe vor. Das Projekt wird daher auch im kommenden Jahr fortgeführt und weiter ausgebaut“, heißt es vom DTV.
Der Verband sieht sich in einer Vermittlerrolle bzgl. der Ausbildung: „Der DTV ist vor allem für die Netzwerkarbeit zuständig und bietet mitnunter auch Informationsveranstaltungen (etwa für Berufsberater) an. Daneben stellen wir eine Reihe von Marketing-Materialien zur Verfügung, gefordert sind jedoch zuallererst die Betriebe.“
Veraltete Ausbildungsordnung
Neben der gesunkenen Zahl von Berufsschulen, wo der schulische Teil der Ausbildung absolviert werden kann, sieht der DTV auch in der Ausbildungsordnung eine Hemmschwelle für die Lehre. Selbige würde der Verband gern erneuern, z. B. mit Blick auf neuere Technik. Allerdings besteht Uneinigkeit mit den Gewerkschaften, wie eine neue Version aussehen soll.
Ähnliche Lage in der Schweiz
Auch in der Schweiz hat die Branche Probleme, interessierten Nachwuchs zu gewinnen. Aktuell befinden sich neun Lehrlinge am Anfang ihrer Ausbildung, die dort Textilpfleger genannt wird. 2015 sah es mit 16 nur etwas besser aus. Letztes Jahr bestanden 8 Auszubildende ihre Abschlussprüfung, 2014 immerhin 14.
Angesprochen auf die Ursachen, sagt Melanie Saner, Geschäftsführerin vom Verband Textilpflege Schweiz (VTS): „Zunächst einmal sehe ich ein deutliches Image-Problem unseres Berufs. Viele Jugendliche - wie deren Eltern oder Lehrpersonen - haben nur ein sehr vereinfachtes Bild und wissen gar nicht, dass die Lehre zur Textilpflege EFZ ein vielseitiger, technik- und prozessionsorientierter Beruf ist.“
Saner fährt fort: „Der Entscheidungszeitpunkt vieler Jugendlicher liegt bereits früh, und häufig ist unser Ausbildungsweg nicht erste Wahl. Die Konkurrenz von anderen Angeboten, vor allem von Dienstleistungs- oder akademischen Wegen, nimmt zu. Hinzu kommt, dass die Gesamtzahl der Jugendlichen etwas zurückgeht, was in handwerklich-technischen Berufen wie dem unseren spürbar wird.“
Junge Leute ansprechen
Angesichts der sinkenden Zahlen stellt sich die Frage, wie junge Menschen für eine Ausbildung in der Textilpflege gewonnen werden können. VTS und DTV zeigen dafür auf Ausbildungsmessen Präsenz, ebenso wie engagierte Lehrkräfte.
Zudem gibt es eigene Meisterschaften für frisch ausgebildete Fachleute. Der VTS führt diese im Rahmen der SwissSkills durch. Der DTV hat den deutschen Wettbewerb von der bundesdeutschen Variante der Skills losgelöst.
Weitere Angebote der beiden Verbände beinhalten Aus- und Weiterbildungen insbesondere für die zahlreichen Quereinsteiger der Branche.
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